„Wer wird Millionär“ und die Beeinflussung der Google-Suche

Da blickt man nichtsahnend in die montäglichen Auswertungen und wird von einem imposanten Ausschlag positiv überrascht.

Bei unserem Wäscheshop Sunny-Dessous tummelten sich plötzlich deutlich mehr Besucher als üblich. Bei Newslettern ist ein derartiger Anstieg in einem Online-Shop durchaus nichts ungewöhnliches. Allerdings gab es an diesem Wochenende keinerlei Aktionen, die für diesen Traffic-Anstieg verantwortlich gewesen sein könnten. Was war geschehen?

Bei näherer Betrachtung wurde schnell klar, dass der Hauptanteil des Traffics über die organische Suche in den Shop kam – und zwar in einem zeitlich stark eingegrenzten Zeitraum zwischen 21 und 22 Uhr. Ein Blick in die Google-Search-Console brachte uns auf die erste heiße Spur. Der Großteil des Traffics wurde über den Suchbegriff „spacer“ generiert.

Kenner der Wäsche-Branche wissen, dass hier der „spacer bh“ gesucht worden sein könnte. Innerhalb weniger Stunden wurden fast 500.000 Impressionen und über 20.000 Klicks erzeugt. Und das mit einer Begrifflichkeit, die alles andere als populär ist. Die Befragung von „Google News“ führte letztendlich den Grund für den sprunghaften Besucheranstieg zu Tage.

Bei der beliebten TV-Show „Wer wird Millionär“ wurde der Lehramtsstudent Jonas Ohlmeier im Zuge der 32.000 Euro gefragt, wobei besonders atmungsaktive „Spacer“ derzeit zunehmend beliebt werden. Joggingschuhe, BHs, Winterjacken oder Windeln standen dabei zur Auswahl. Zwei Joker halfen dem Kandidaten nicht weiter. Kein Wunder, dass auch viele Zuschauer sich dazu genötigt fühlten, Google zu befragen und die Lösung auf Günther Jauchs Frage in unserem Unterwäsche-Lexikon fanden.

Bis zu 500 Anfragen pro Sekunde brachten unser System ordentlich ins Schwitzen. Die Serverlast stieg von durchschnittlich 0,5 kurzzeitig auf einen Spitzenwert von 32.  Dennoch schlug sich der Server wacker, so dass der Nutzer kaum etwas von dem Besucheransturm mitbekommen haben dürfte. Dennoch werden wir diesen „Vorfall“ zum Anlass nehmen, um die Belastbarkeit unseres Shopsystems etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu vielleicht später mehr.

Wertet man den betreffenden Zeitraum über Google Analytics aus, ergeben die Zahlen im Vergleich zu den restlichen Seiten des Shops extrem hohe Werte bei Absprungrate und der Anteil der neuen Sitzungen.

Jetzt fragt man sich natürlich in der SEO-Abteilung: Können diese Zahlen oder allein der plötzliche Anstieg des Traffics in irgendeiner Form zu einem Einfluss auf das Ranking führen? Auf jeden Fall zeigt sich, wie schnell man so einen Indikator wie die Absprungrate falsch interpretieren kann. Bei unserem Beispiel waren die Nutzer mit unserer Seite schnell zufrieden gestellt. Die gesuchte Information war zügig gefunden – das direkte Verlassen der Seite und damit die hohe Absprungrate nicht überraschend. Wertet Google dies negativ für die Seite? Vermutlich nur, wenn Google einen weiteren Klick in das Suchergebnis registriert. Bleibt die Frage, ob der plötzliche Traffic-Anstieg etwas in Bezug auf die Sichtbarkeit einer Seite bewirken kann. Die Auswertung bei Sistrix zeigt einen interessanten Anstieg:

„Spacer“ – ein Keyword mit einem Suchvolumen von immerhin 1.900 erscheint plötzlich neu auf der Bildfläche. Auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches. Interessant wird die Veränderung in den Serps zum Keyword „Spacer“ in Bezug auf die neuen Seiten:

Das eher unscheinbare weil viel zu unspezifische Keyword „Spacer“ liefert plötzlich eine Vielzahl von Suchergebnissen, die den „Spacer BH“ zum Thema haben. Diesen signifikanten Einfluss auf die Serps hätte ich -zumindest mit der Schnelligkeit – nicht erwartet. Ist das dieses RankBrain, von dem die SEO-Szene bereits seit Ende 2015 schwärmt? Interessant wäre die Frage, ob sich die „Spacer-BHs“ bei der Suche nach „Spacer“ auf Dauer halten können. Aktuell sieht es danach aus, als ob die betreffenden URLs nach hinten durchgereicht werden würden.

Fragen über Fragen. Wäre das nicht was für den Blog von Sistrix? Johannes Beus – übernehmen Sie! 😉

Mysterium Google: Verwandschaften, die keine sind

Im deutschen Sprachraum hat Google das Monopol bei der Websuche. Wie es bei Monopolen gemeinhin der Fall ist, muss man sich jedoch fragen, ob dies qualitative Auswirkungen auf Googles Kundschaft – also den Suchenden – hat. Steckt Google noch genügend Grips in die Weiterentwicklung der Suche, oder ist es Dank mangelnder Konkurrenz eher damit beschäftigt, den finanziell größtmöglichen Nutzen aus der marktbeherrschenden Stellung zu ziehen. Wenn ich mir die Entwicklung in den letzten Jahren so anschaue, habe ich eher das Gefühl, das letzteres der Fall ist. Das zeigt schon die Tatsache, dass Google den Werbeanzeigen mehr und mehr Raum bietet und die organischen Suchergebnisse sukzessive in den Hintergrund treten. Will man heutzutage eine gute Platzierung haben, muss man sich die (visuell) vorderen Plätze schon erkaufen. Das ist natürlich Googles gutes Recht und wird vermutlich kaum dazu führen, dass sich die Nutzer aus diesem Grund für eine andere Suchmaschine entscheiden. Was die Suchenden perspektivisch vielleicht eher in die Arme der Konkurrenz treiben könnte, ist die Qualität der Ergebnisse. Zwar behauptet Google, dass es die Intention des Nutzers mittlerweile erkennen kann – jedoch habe ich da mehr und mehr meine Zweifel. Nachfolgend ein Beispiel aus unserer SEO-Abteilung:

Seit Jahren schon kann Google (angeblich) Dank „Semantischer Suche“ Zusammenhänge erkennen. Dies spiegelt sich unter anderem bei jeder Suche in dem Hinweis auf verwandte Suchanfragen wieder. Dass manche Suchanfragen nicht mal ansatzweise und auch nicht über mehrere Ecken verwandt sind, kann man immer wieder erkennen. Bei der Optimierung der Seite eines Online-Shops auf den Suchbegriff Lingerie schlägt Google diese Suchanfragen vor:

google-suche-lingerie

Nicht wenige der hier aufgelisteten Vorschläge haben mit der Suchanfrage rein gar nichts zu tun. Die Hundszunge ist eine Pflanzengattung oder ein Plattfisch (natürlich soeben mit Google herausgefunden). Den Sumsemann kennt man als Maikäfer aus Peterchens Mondfahrt. Ataman ist ein Kosakenführer und auch warum die Nestflucht von Jungstörchen etwas mit Lingerie zu tun haben soll, erschließt sich mir auch bei längerem Überlegen nicht wirklich.

Kennt Google sich lediglich im Bereich verführerischer Damenunterwäsche nicht so gut aus? Oder ist Google am Ende gar nicht so schlau, wie es uns Glauben machen will? Die Beantwortung dieser Fragen ist Google uns bisher schuldig geblieben, denn Googles Algorithmen gehören zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Welt. Und daran wird vermutlich auch Angela Merkels Forderung nach „transparenten Algorithmen“ bei den Medientagen in München nichts ändern.

Wider den Popups

Schon in den frühen Jahren es Internets, als Online-Marketers noch Webmaster hießen, überlegte man, wie man dem mehr oder weniger zufällig vorbeischauenden Besucher vermeintlich wichtige Informationen möglichst prominent präsentieren könne. Damals schon hatte man die abscheuliche Idee, dies mit Popups zu tun. Da jedoch JavaScript im Allgemeinen und browserübergreifendes CSS im Besonderen noch in den Kinderschuhen steckte, griff man zu einer Art Wunderwaffe. Mit Grauen werden sich die Internetnutzer jener Zeit noch an die JavaScript-Methode „window.open()“ erinnern. Diese führte dazu, dass die Website ohne Zutun des Nutzers ein neues Browserfenster auf den Bildschirm warf. Die Entwickler diverser Browser reagierten relativ schnell mit der Möglichkeit, besagte Popups zu unterbinden. Natürlich ist dies noch lange nicht das Ende der Geschichte. Mittlerweile sind Javascript und CSS so weit gediehen, dass man heutzutage kein neues Browserfenster mehr benötigt, um den Nutzer zu informieren belästigen. So hat sich inzwischen die Unart verbreitet, dem Besucher gleich beim ersten Aufruf einer Seite innerhalb derselben mitzuteilen, dass man sich für einen Newsletter anmelden könne. Immerhin besteht an dieser Stelle – wenn auch oft genug gut versteckt – die Möglichkeit, das Popup mit nur einem Klick wieder zu schließen, um den Blick auf den eigentlichen Inhalt freizugeben.

Dass dies den Internetnutzer zunehmend nervt, scheint mittlerweile auch Google erkannt zu haben. In seinem – für Online-Marketers und Webmaster immer lesenswerten – Blog gibt es erste Hinweise darauf, dass Google ab Anfang 2017 derartige Praktiken im Ranking berücksichtigen wird. Heißt im Klartext: Seiten mit Content, der sich beim (ersten) Besuch auf der Seite über den eigentlichen Inhalt legt, werden im Ranking der Google-Suche benachteiligt. Etwas unklar ist allerdings, ob dies ausschließlich den mobilen Rankings zu Gute kommt oder ob auch die Desktop-Suche davon profitiert.

Der klassische Online-Shop im Zeitalter von Amazon & Co – ein Auslaufmodell?

Bei t3n gibt es heute einen Artikel mit dem reißerischen Titel

„Den Onlineshop braucht kein Mensch mehr: Einblicke in das Performance-Marketing im Amazon-Zeitalter“

Darin wird das Geschäftsmodell des Händlers kwcommerce beschrieben. Kwcommerce bietet Produkte zweier Eigenmarken aus dem Bereich von Handyzubehör an. So weit – so unspektakulär.  Das Besondere an dem Händler ist die Tatsache, dass er komplett auf einen eigenen Onlineshop verzichtet und ausschließlich eBay und Amazon als Verkaufsplattformen nutzt. Die eigene Webseite dient nur noch Info-Zwecken. Auch das ist noch nichts Besonderes. Viele kleinere Händler haben gar nicht die Möglichkeiten, einen eigenen Online-Shop aufzubauen und nutzen ganz bewusst die großen Marktplätze des Internets. Das Besondere an der Entscheidung von kwcommerce ist die Tatsache, dass es sich bei diesem Unternehmen um keinen kleinen Händler handelt. Kwcommerce dürfte mit 4 Millionen Kunden und 334.000 Bestellungen pro Monat durchaus auch in der Lage sein, in einen eigenen Shop zu investieren. Warum Inhaber Jens Wasel sich jedoch bewusst dagegen entschieden hat, erklärt er im wesentlichen mit folgenden zwei Argumenten:

  • Senkung von Kosten und Verringerung des Aufwands für die Neukundengewinnung
  • Fokussierung des Traffics auf die Amazon-Produktdetailseite zur besseren Platzierung (Ranking-Algorithmus)

Das erste Argument gilt für jeden, der auf Marktplätzen wie Amazon seine Waren anbietet. Es ist nicht unbedingt ein Argument dafür, auf den eigenen Onlineshop zu verzichten, bietet dieser doch im Bereich der Neukundengewinnung ganz andere Möglichkeiten. Das zweite Argument ist da schon interessanter. Amazon sagt selbst, dass Ranking von Produkten (unter anderem) dadurch beeinflusst wird, wie viel Aufmerksamkeit ein Artikel erhält und wie gut er sich verkauft. Leitet der Anbieter jetzt all seinen Traffic auf die Produktdetailseite von Amazon,  sollte diese in Hinsicht auf das Ranking auch deutlich profitieren. Das funktioniert natürlich nur so lange, wie man der einzige Anbieter eines Produktes ist oder bei mehreren Anbietern zumindest als erstes angezeigt wird.

Aber sollte man jetzt allein aus diesem Grund komplett auf den eigenen Onlineshop verzichten? Einige Argumente sprechen aus unserer Sicht dagegen. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Amazon erfolgreiche Produkte kopiert, um sie als Eigenmarke zu verkaufen. Die teilnehmenden Händler laufen Gefahr, sich langfristig zum Datenlieferanten zu degradieren und gerade das profitable Geschäft zu verlieren. Auch beim Thema Kundengewinnung gibt es einen entscheidenden Haken: Es besteht keine Möglichkeit, die Kunden nach einer Bestellung durch Newsletter weiter an sich zu binden. Das mag im Bereich von Handyzubehör jetzt nicht die höchste Priorität zu haben, sollte aber bei den meisten Shops durchaus von Belang sein.

Eine zu starke Bindung an externe Verkaufskanäle halten wir für fragwürdig. Online-Händler sollten im Sinne der nachhaltigen Geschäftsentwicklung versuchen, in möglichst vielen Verkaufskanälen Fuß zu fassen. Dazu gehört auch der eigene Online-Shop, der als zentrale Plattform dienen und ein gewisses Maß an Unabhängigkeit bieten sollte.

Accelerated Mobile Pages (AMP) interessant für Online-Shops?

In der letzten Woche hat Google angekündigt, dass es bereits im Mai ein Google-Update gibt, welches die Verbesserung der Suchergebnisse der mobilen Suche zum Ziel haben soll. Bereits vor einem Jahr gab es eine ganz ähnliche Ankündigung. In der SEO-Szene wurde das Update damals „Mobilegeddon“ genannt. Man erwartete befürchtete eine deutliche Bevorzugung von Seiten, die auch für mobile Endgeräte optimiert wurden. Letztendlich waren die Auswirkungen dann doch deutlich geringer, als prognostiziert. Nun schickt sich Google also erneut an, an dieser Stellschraube zu drehen und somit vielleicht auch den letzten Seitenbetreiber darauf aufmerksam zu machen, dass die Zukunft im sogenannten „Mobile Web“ liegt.

Interessant wird diese Ankündigung vor allem vor dem Hintergrund, dass Google im letzten Jahr mit „Accelerated Mobile Pages“ ein Open-Source-Projekt an den Start gebracht hat, welches sich die Beschleunigung von nicht weniger als dem gesamten Internet zur Aufgabe gemacht hat. Dem gesamten Internet? Nein – „erstmal“ ist das Hauptaugenmerk auf Nachrichtenseiten gerichtet. Wenn man mit einem mobilen Browser nach „Spiegel online“ sucht, sieht man, wo die Reise nach Ansicht von Google hingehen soll.

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Praktisch für den Nutzer, weil er die News ohne lange Wartezeiten sehr schnell zu Gesicht bekommt und die Google-Suchseite gar nicht erst verlassen muss. Laut Google auch praktisch für den Content-Anbieter, weil er dennoch Werbung integrieren und eigene Systeme zum Tracking der Nutzer implementieren kann. Ein fader Beigeschmack dürfte auf Seiten der Publisher dennoch bleiben – geben Sie doch schon irgendwie ihren Content aus der Hand und animieren den Nutzer dazu, gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, das eigene Portal zu besuchen. Eine ähnliche Strategie verfolgt Facebook im Übrigen seit Kurzem mit seinen Instant Articles.

Eine Frage, die sich den Betreibern von Onlineshops nun stellen dürfte: Sind „Accelerated Mobile Pages“ eine Möglichkeit, den eigenen mobilen Seiten einen (zusätzlichen) Schub zu verpassen? Google sagt selbst, dass AMP hauptsächlich für Seiten mit möglichst wenig dynamischem Content gedacht ist. Bei Onlineshops ist dies gerade in Hinsicht auf die oftmals mittels Javascript umgesetzten Filtermöglichkeiten eher selten der Fall. Somit würde ich aktuell eher dazu tendieren, AMP nicht bei Onlineshops zum Einsatz kommen zu lassen. Denkbar wäre jedoch, AMP für bestimmte Teilbereiche umzusetzen. Viele Shops nutzen heutzutage einen WordPress-Blog. Hier bietet sich das kostenlose Plugin „AMP“ an, welches von jedem Beitrag automatisch eine AMP-konforme Seite generiert. Wir haben das Plugin ausprobiert und für gut befunden. Das Ergebnis kann man hier sehen:

http://www.sunny-dessous.de/blog/die-kleine-geschichte-vom-neglige/amp/

Ob dies nun positive Auswirkungen auf die organische Suche hat, können wir (noch) nicht beantworten. Unser SEO-Team ist der Meinung: Schaden kann es auf jeden Fall nicht.

Grundlegende Infos zu „Accelerated Mobile Pages“ gibt es in diesem Google-Hangout: