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Der klassische Online-Shop im Zeitalter von Amazon & Co – ein Auslaufmodell?

Bei t3n gibt es heute einen Artikel mit dem reißerischen Titel

„Den Onlineshop braucht kein Mensch mehr: Einblicke in das Performance-Marketing im Amazon-Zeitalter“

Darin wird das Geschäftsmodell des Händlers kwcommerce beschrieben. Kwcommerce bietet Produkte zweier Eigenmarken aus dem Bereich von Handyzubehör an. So weit – so unspektakulär.  Das Besondere an dem Händler ist die Tatsache, dass er komplett auf einen eigenen Onlineshop verzichtet und ausschließlich eBay und Amazon als Verkaufsplattformen nutzt. Die eigene Webseite dient nur noch Info-Zwecken. Auch das ist noch nichts Besonderes. Viele kleinere Händler haben gar nicht die Möglichkeiten, einen eigenen Online-Shop aufzubauen und nutzen ganz bewusst die großen Marktplätze des Internets. Das Besondere an der Entscheidung von kwcommerce ist die Tatsache, dass es sich bei diesem Unternehmen um keinen kleinen Händler handelt. Kwcommerce dürfte mit 4 Millionen Kunden und 334.000 Bestellungen pro Monat durchaus auch in der Lage sein, in einen eigenen Shop zu investieren. Warum Inhaber Jens Wasel sich jedoch bewusst dagegen entschieden hat, erklärt er im wesentlichen mit folgenden zwei Argumenten:

  • Senkung von Kosten und Verringerung des Aufwands für die Neukundengewinnung
  • Fokussierung des Traffics auf die Amazon-Produktdetailseite zur besseren Platzierung (Ranking-Algorithmus)

Das erste Argument gilt für jeden, der auf Marktplätzen wie Amazon seine Waren anbietet. Es ist nicht unbedingt ein Argument dafür, auf den eigenen Onlineshop zu verzichten, bietet dieser doch im Bereich der Neukundengewinnung ganz andere Möglichkeiten. Das zweite Argument ist da schon interessanter. Amazon sagt selbst, dass Ranking von Produkten (unter anderem) dadurch beeinflusst wird, wie viel Aufmerksamkeit ein Artikel erhält und wie gut er sich verkauft. Leitet der Anbieter jetzt all seinen Traffic auf die Produktdetailseite von Amazon,  sollte diese in Hinsicht auf das Ranking auch deutlich profitieren. Das funktioniert natürlich nur so lange, wie man der einzige Anbieter eines Produktes ist oder bei mehreren Anbietern zumindest als erstes angezeigt wird.

Aber sollte man jetzt allein aus diesem Grund komplett auf den eigenen Onlineshop verzichten? Einige Argumente sprechen aus unserer Sicht dagegen. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Amazon erfolgreiche Produkte kopiert, um sie als Eigenmarke zu verkaufen. Die teilnehmenden Händler laufen Gefahr, sich langfristig zum Datenlieferanten zu degradieren und gerade das profitable Geschäft zu verlieren. Auch beim Thema Kundengewinnung gibt es einen entscheidenden Haken: Es besteht keine Möglichkeit, die Kunden nach einer Bestellung durch Newsletter weiter an sich zu binden. Das mag im Bereich von Handyzubehör jetzt nicht die höchste Priorität zu haben, sollte aber bei den meisten Shops durchaus von Belang sein.

Eine zu starke Bindung an externe Verkaufskanäle halten wir für fragwürdig. Online-Händler sollten im Sinne der nachhaltigen Geschäftsentwicklung versuchen, in möglichst vielen Verkaufskanälen Fuß zu fassen. Dazu gehört auch der eigene Online-Shop, der als zentrale Plattform dienen und ein gewisses Maß an Unabhängigkeit bieten sollte.