Mysterium Google: Verwandschaften, die keine sind

Im deutschen Sprachraum hat Google das Monopol bei der Websuche. Wie es bei Monopolen gemeinhin der Fall ist, muss man sich jedoch fragen, ob dies qualitative Auswirkungen auf Googles Kundschaft – also den Suchenden – hat. Steckt Google noch genügend Grips in die Weiterentwicklung der Suche, oder ist es Dank mangelnder Konkurrenz eher damit beschäftigt, den finanziell größtmöglichen Nutzen aus der marktbeherrschenden Stellung zu ziehen. Wenn ich mir die Entwicklung in den letzten Jahren so anschaue, habe ich eher das Gefühl, das letzteres der Fall ist. Das zeigt schon die Tatsache, dass Google den Werbeanzeigen mehr und mehr Raum bietet und die organischen Suchergebnisse sukzessive in den Hintergrund treten. Will man heutzutage eine gute Platzierung haben, muss man sich die (visuell) vorderen Plätze schon erkaufen. Das ist natürlich Googles gutes Recht und wird vermutlich kaum dazu führen, dass sich die Nutzer aus diesem Grund für eine andere Suchmaschine entscheiden. Was die Suchenden perspektivisch vielleicht eher in die Arme der Konkurrenz treiben könnte, ist die Qualität der Ergebnisse. Zwar behauptet Google, dass es die Intention des Nutzers mittlerweile erkennen kann – jedoch habe ich da mehr und mehr meine Zweifel. Nachfolgend ein Beispiel aus unserer SEO-Abteilung:

Seit Jahren schon kann Google (angeblich) Dank „Semantischer Suche“ Zusammenhänge erkennen. Dies spiegelt sich unter anderem bei jeder Suche in dem Hinweis auf verwandte Suchanfragen wieder. Dass manche Suchanfragen nicht mal ansatzweise und auch nicht über mehrere Ecken verwandt sind, kann man immer wieder erkennen. Bei der Optimierung der Seite eines Online-Shops auf den Suchbegriff Lingerie schlägt Google diese Suchanfragen vor:

google-suche-lingerie

Nicht wenige der hier aufgelisteten Vorschläge haben mit der Suchanfrage rein gar nichts zu tun. Die Hundszunge ist eine Pflanzengattung oder ein Plattfisch (natürlich soeben mit Google herausgefunden). Den Sumsemann kennt man als Maikäfer aus Peterchens Mondfahrt. Ataman ist ein Kosakenführer und auch warum die Nestflucht von Jungstörchen etwas mit Lingerie zu tun haben soll, erschließt sich mir auch bei längerem Überlegen nicht wirklich.

Kennt Google sich lediglich im Bereich verführerischer Damenunterwäsche nicht so gut aus? Oder ist Google am Ende gar nicht so schlau, wie es uns Glauben machen will? Die Beantwortung dieser Fragen ist Google uns bisher schuldig geblieben, denn Googles Algorithmen gehören zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Welt. Und daran wird vermutlich auch Angela Merkels Forderung nach „transparenten Algorithmen“ bei den Medientagen in München nichts ändern.

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