Vom Antrag bis zum Ja-Wort

Ehe für alle
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Es ist immer noch einer der dramaturgischen Höhepunkte im Leben vieler: die Hochzeit. Zwei Menschen schließen einen Bund fürs Leben.

Erst kommt ein Antrag in romantischer Atmosphäre, dann werden Familie und beste Freunde eingeladen, in Kirche oder Standesamt werden Schwüre geleistet und Küsse getauscht, es folgt ein rauschendes Fest und nach dem Happy End, so dichtete Kurt Tucholsky einst im besten Berlinerisch „wird im Film jewöhnlich abjeblendt“.

Seit Anfang Oktober nun ist dieses Zeremoniell in Deutschland nicht mehr nur Mann und Frau vorbehalten, sondern ein Grund zu feiern für jede Art von Partnerschaft. Männer können Männer heiraten und Frauen auch Frauen. Nach jahrzehntelangem Kampf von Aktivisten dürfen seit dem 1. Oktober diesen Jahres Homosexuelle nicht nur eine Lebenspartnerschaft eintragen, sondern genießen gleiche Steuer- und Erbrechte, können Kinder adoptieren und für einen Partner die Betreuung am Lebensende bestimmen.

Gay Wedding
Seit Anfang Oktober nun ist die Ehe in Deutschland nicht mehr nur Mann und Frau vorbehalten, sondern ein Grund zu feiern für jede Art von Partnerschaft. ©istockphoto/lisafx

Zwar bleiben in der familienrechtlichen Gleichstellung noch Fragen ungelöst, aber der Freude an der Eheschließung tut das keinen Abbruch. Über den Standesämtern in Berlin, Hamburg, München oder Köln weht nun also neben Schwarz-Rot-Gold auch die Regenbogenfahne. Damit ist Deutschland das 14. Land in Europa und das 24. Land weltweit, dass eine gleichgeschlechtliche Ehe ermöglicht.

Die Ehe zwischen homosexuellen Paaren kann also ganz unproblematisch geschlossen werden. Aber wie sieht es diesbezüglich mit der Hochzeit aus? Welche Kleider oder Anzüge werden getragen, was drüber – und vor allem was darunter? Wer und wie eingeladen? Und nach welchem Protokoll laufen die Vorbereitungen ab?

Für Ronald Zenker, Vorstandssprecher und Gesamtleiter des Christopher Street Day Dresden e.V. (CSD), der sich als „Sprachrohr aller Lesben, Schwulen, Bi- und Trans-Identen Menschen in Dresden und Sachsen“ versteht, sind das Fragen, die sich so allerdings nicht neu stellen. „Hochzeitsfeiern, die Männer- und Frauenpaare feiern, gab es ja schon lange vorher“, sagt der 45-Jährige CarlMarie. Am Ende wären die Unterschiede zu „normalen“ Eheschließungen gar nicht so groß. „Ich selbst habe ganz normal im schwarzen Anzug geheiratet so wie mein Ehemann auch. Uns geht es darum zu zeigen, dass wir eben ganz normale Beziehungen führen und diese Normalität zeigt sich natürlich auch in der Form, wie am Ende die Hochzeiten gefeiert werden.“
Also keine knallbunten Klamotten, bizarren Bräuche oder frivolen Festlichkeiten? Nach Ronald Zenker ist oftmals sogar das Gegenteil der Fall. Zwar wäre das homosexuelle Leben der 70er und 80er Jahre von großer Dynamik geprägt gewesen und viele hätten versucht ihren eigenen Familienkonstrukten zu entkommen. Doch heute fühlen sich viele angekommen und wollen gerade bezüglich der Eheschließung etwas Kontinuierliches, Ausgeruhtes und Dauerhaftes darstellen.

„Es gibt lesbische Paare, die mit dem Sägeblock vor dem Standesamt stehen und Hochzeiten von Schwulen, die selbst bei den meisten heterosexuellen Paaren als unerträglich spießig wahrgenommen würden“, so Zenker, der für den CSD Dresden e.V. wichtige Kontakte zu Behörden und Politikern knüpft. „Es gibt also keinen Grund an der Normalität des Eheöffnungsgesetzes zu zweifeln.“

Bei all diesem Wunsch nach Konventionalität gibt es doch in der Hochzeitsvorbereitung wohl einige Besonderheiten zu beachten. Nicht umsonst haben sich mittlerweile schon Agenturen darauf spezialisiert, gleichgeschlechtliche Eheschließungen zu beraten, vorzubereiten und zu organisieren. Nach deren Erkenntnissen sollen sich zum Beispiel zwei Bräute bei den Hochzeitsvorbereitungen schneller einig werden, als andere Paare. Frauen hätten demnach fast ausnahmslos eine große Liebe und Wertschätzung für Detailfragen. Lediglich in der Kleidungsfrage gibt es die stark ausgeprägte Differenz zwischen Anzug- und Kleidträgerinnen. Bei männlichen Paaren setzt man dagegen gern auf Partner-Look und oftmals sogar dieselben Anzüge. Unterschiede werden durch andersfarbige Krawatten, Hals- und Einstecktücher oder Accessoires ausgedrückt.

Schwules Pärchen feiert Hochzeit
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Nur bezüglich der allgemeinen Hochzeitsvorbereitung sehen sich gleichgeschlechtliche Paare exakt mit denselben Problemen konfrontiert wie alle anderen Heiratswilligen auch. So sollte der Termin der Hochzeit bereits sechs bis zwölf Monate vorher festgelegt und mit den wichtigsten Personen, wie Trauzeugen und Familienmitgliedern, besprochen werden. Eine ähnlich lange Vorlaufzeit braucht die Entscheidung für die Art der Hochzeit und die Lokalität, wo die Feierlichkeiten stattfinden sollen.
Etwa drei bis vier Monate vor dem feierlichen Termin sollte sich das Paar alle notwendigen Papiere und Dokumente organisieren. Auch die Auswahl der Kleidung sollte nun spätestens getroffen werden. Immerhin müssen Kleider und Anzüge oft durch eine Schneiderei angepasst werden.

Hochzeitstorte
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Noch zwei Monate Zeit? Dann muss jetzt auf jeden Fall die Hochzeitstorte bestellt werden. Nun heißt es auch die gewünschte Frisur und das Make Up wenigstens einmal auf Probe machen zu lassen. Lied- und Programmzettel sollten jetzt schon ausgedruckt werden.
Wenn der Hochzeitstermin auf zwei Wochen herangerückt ist, geht es ans Eingemachte: Hochzeitssträuße und Dekoration müssen jetzt bestellt und die Trauringe abgeholt werden. Eine letzte Anprobe der Hochzeitskleider und -anzüge – und dann kann es losgehen auf die große Fahrt ins Eheglück.

 

 

Eine Hochzeit sollte gut geplant sein, damit alles nach Wunsch verläuft und der Tag allen Beteiligten positiv in Erinnerung bleibt. Damit Ihr Eure Hochzeit perfekt vorbereiten könnt, sind in der folgenden Hochzeits-Checkliste alle wichtigen Punkte für Euch aufgelistet!

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