Ein warmes Bad entspannt Körper und Geist

Frau entspannt in Badewanne bei Kerzenschein
©istock/Anna_Om
Der Mensch badet gern, und das am liebsten in warmem Wasser. Fast 2500 Jahre ist dieses Vergnügen schon alt. Die Griechen lagen gern im warmen Wasser ihrer "balaneion" (Bäder), die Römer in ihren Thermen, die Menschen des Mittelalters in Badehäusern. Und auch wir Menschen heute wissen ein schönes, warmes Bad natürlich immer noch zu schätzen.

Warum aber baden wir eigentlich? Private Bäder, sprich solche in den eigenen vier Wänden, gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert. Davor ging man baden – und zwar in öffentliche Anstalten oder Häuser. In den meisten Fällen bestand das Ziel darin, sich von Kopf bis Fuß mal ordentlich zu waschen. Und wo man schon mal so schön beieinandersaß, ließ es sich in einer römischen Therme, einem japanischen Onsen, einem türkischen Hamam oder einer mittelalterlichen Badstube natürlich auch hervorragend schwätzen. Den besten Klatsch und Tratsch bekam man deshalb in einer öffentlichen Badeanstalt zu hören, so wie man dort auch glänzend Geschäfte einfädeln konnte oder aber Politik betrieb.

Das Wohlfühlbad in der Badewanne

Wer hingegen heute badet, der tut das vor allem, um sich wohlzufühlen. Wie aber geht das? Wasser einlassen, sich hineinsetzen – und die Augen schließen? Im Grunde ist es das, doch wie immer und oft: die Details entscheiden. Wir haben uns deshalb in die Tiefen des warmen Bades begeben und für euch Antworten auf Fragen heraufgeholt, die sich um die richtige Temperatur, den richtigen Zeitpunkt oder auch darum drehen, ob man beim Baden in der Wanne abnehmen kann. Doch fangen wir von vorn an:

Was ist die perfekte Temperatur?

Eine perfekte Wassertemperatur gibt es für Erwachsene eigentlich nicht. Aber es gibt eine perfekte Badetemperatur für dich. Im Allgemeinen genießen die meisten Menschen ein Bad, das etwas wärmer ist als ihre Körperoberflächentemperatur. Die kann um einige Grad variieren, liegt im Schnitt aber bei 33 °C. Was ihr oder ihm zu heiß ist, fühlt sich für jemand anderes perfekt an. Wenn du aber eine Temperatur zwischen 35°C und 39 °C wählst, bist du auf der sicheren Wohlfühlseite. 40 °C und darüber hinaus sollten es nicht sein.

Sonntag oder Montag, mittags, abends: Gibt es den perfekten Zeitpunkt für ein Bad?

Ja und nein. Diese Antwort hast du sicherlich erwartet. Aber sagen wir so: Sonntags war nicht ohne Grund schon immer der perfekte Badetag. Es ist der krönende Abschluss einer Woche und der perfekte Start in eine neue. Am besten eignet sich dafür natürlich der Abend, und im besten Fall beendet dein Bad sogar den Tag. Badest du nämlich gegen 21 Uhr, findest du anschließend in wohltuender Tiefenentspannung auch pünktlich ins Bett – und in einen wunderbar erholsamen Schlaf.

10, 15 oder 30 Minuten: Wie lange und wie oft sollte man baden?

Auch bei dieser Frage gilt, auf seinen Körper zu hören und zu fühlen, was er dir sagt. Ein erhöhter Herzschlag oder Schweiß auf der Stirn sind sichere Zeichen, dass die Wassertemperatur entweder zu hoch ist oder du schon zu lange im Wasser liegst. Optimal ist, nicht länger als 20 Minuten in warmem Wasser zu verbringen. Danach verliert unsere Haut an Feuchtigkeit und wird gereizt, denn Wasser spült die Öle von der Oberfläche, die unsere Haut aber braucht. Deshalb gibt es eine Faustformel zu beachten: Je trockener die Haut, desto kürzer das Bad. Deshalb sollte man auch höchstens zweimal pro Woche ein Bad nehmen.

Apropos trockene Haut – Was tun nach oder während eines Bades?

Man kennt das: Nach einem langen Bad wellt sich die Haut, sie fühlt sich trocken und schrumpelig an. Also braucht sie Unterstützung. Die kannst du ihr gewähren, indem du bereits beim Baden eine creme- oder ölhaltige Essenz verwendest. Oder aber du trägst spätestens nach dem Baden etwas auf, dass die Haut beim Regenerieren unterstützt. Ideale Feuchtigkeitsspender sind fetthaltige Körperemulsionen. Kleiner Tipp: Wenn die Haut noch ein wenig feucht ist, aber nicht mehr schwitzt, zieht die Creme oder das Öl besser ein.

 

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Kneipp – oder die Frage, wie man richtig aus der Wanne steigt

Jeder steigt aus der Wanne, wie er es für richtig hält. Aber man kann es auf die Kneipp-Weise tun – und das bedeutet vereinfacht ausgedrückt: warm baden, kalt duschen. Dass es dafür eine ganze Handvoll Varianten gibt – vom Fuß- übers Knie- bis hin zum kalten Vollbad oder der kalten Dusche, hat mit dem Namensgeber der gleichnamigen Therapie zu tun, Sebastian Kneipp. Im Winter 1849 stieg der kränkliche Theologiestudent nach eigenen Angaben mehrmals wöchentlich für ein paar Sekunden ins eisige Wasser der Donau, um seine Tuberkulose zu kurieren. Diese Radikalkur ergab tatsächlich die erhoffte Wirkung, sodass der junge Mann daraus eine ganze Therapieform entwickelte, die man heute unter dem Namen Kneipp in Verbindung mit Wasser, Bewegung, gesunder Ernährung, Heilpflanzen und seelischer Gesundheit in aller Welt kennt. Wechselbäder spielen dabei eine zentrale Rolle, denn warmes Wasser weitet die Gefäße, kaltes lässt sie zusammenziehen. Das stärkt den Kreislauf, das Immunsystem – und hat den schönen Nebeneffekt, dass einem kurz zwar kalt wird, danach aber wohlig warm. Wem das allerdings ein Schock zu viel ist, der macht trotzdem nichts falsch, wenn er ohne kalte Dusche sein Bad beendet. Denn wofür haben wir schließlich Bademäntel

Wann sollte ich besser auf ein Bad verzichten?

Ein schönes Bad entspannt nicht nur die Nerven, die Muskeln und das Gemüt. Es fordert unseren Körper auch heraus, wenn er ohnehin nicht gut drauf ist. Das gilt, wenn er zum Beispiel bereits Fieber entwickelt hat, um eine Infektion zu bekämpfen. In diesem Fall lautet die Devise: Ab ins Bett und nicht in die Badewanne! Ein weiteres mögliches Problem beim warmen Vollbad können sein: Herz-Kreislaufprobleme und Venenleiden wie Thrombosen, Krampfadern, Stauungen. Warmes Wasser weitet unsere Venen, was den Blutdruck absenkt. Daraus leitet sich Hinweis Nummer zwei ab: Bei oben genannten Leiden einfach mal den Hausarzt fragen, was er von warmen Bädern hält.

Ich bin schwanger, darf ich trotzdem ein warmes Bad nehmen?

Wenn du keine Anzeichen für einen vorzeitigen Blasensprung oder vorzeitige Wehen hast, steht einem Entspannungsbad nichts im Wege. Zwar kann warmes Wasser echte oder auch vorzeitige Wehen verstärken. Es ist aber unwahrscheinlich, dass dadurch geburtsaktive Wehen ausgelöst werden. Allerdings, achte auf die Temperatur. Zu heiß bedeutet wie schon erwähnt, dass der Blutdruck sinkt und der Kreislauf belastet wird. Außerdem kann das Ungeborene seine Temperatur nicht selbst regeln und nimmt deshalb auf, was es an Hitze oder Kühle umgibt. Falls du also ein etwas kühleres Bad wählst, nimm ein paar Tropfen Aromaöl. Die unterstützen dann das vielleicht nicht ganz so intensive Entspannungsgefühl.

Ich habe meine Tage – Stoppt ein warmes Bad meine Periode?

Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass ein warmes oder heißes Wohlfühlbad die Periode stoppt. Das ist nicht der Fall. Verringert sich der Blutfluss, dann liegt das am Wasserdruck. Es ist also reine Physik. Dennoch solltest du während deiner Tage ein paar Dinge beachten. Bedenke, dass deine Körpertemperatur rund um deinen Zyklus höher sein kann. Neigst du also zu Hitzewallungen, empfiehlt sich ein etwas kühleres Bad. Oder öffne ein Fenster, um zu vermeiden, dass du überhitzt oder dir schwindelig wird. Auch den blutdrucksenkenden Effekt eines warmen Bades solltest du mit Blick auf deinen Kreislauf bedenken. Ansonsten gilt: Lass dir ein Bad ein, wenn dir danach ist. Gerade während deiner Tage tut Entspannung gut.

Schaum, Öl, Blasen – Was gehört in ein Bad und was nicht?

Du kannst einem Bad selbstverständlich zugeben, was du möchtest. Es kommt ganz darauf an, was du dir davon versprichst. Die meisten Zusätze zielen direkt auf deine Nase und Atemwege. Es gibt außerdem Essenzen, die unterstützen dich bei rheumatischen Beschwerden oder bewahren deine Haut vorm Austrocknen. Und es gibt natürlich welche, die einfach nur Spaß machen – Schaumkronen bauen oder Blasen erzeugen und damit ein angenehmes Kribbeln auf der Haut spüren. Du solltest eventuell nur eines bedenken: Je weniger natürlich die Inhaltsstoffe, desto weniger gut tun sie uns und der Umwelt. Aber wie immer gilt, die Menge macht das Gift.

Abnehmen im Warmwasserliegen – geht das?

Es geht. Wunderdinge aber sollte man nicht erwarten. Der Effekt ist einfach: Warmes Wasser lässt die Körpertemperatur ansteigen, das wiederum bringt den Stoffwechsel in Wallung. Sprich, wir verbrennen auch beim Baden Kalorien. Forscher der englischen “Loughborough University” haben herausgefunden, dass bei einem 20-minütigen Bad in etwa so viele Kalorien verbraucht werden wie bei einem 30-minütigen Spaziergang. In Zahlen: etwa 130.

Wasserverbrauch und Umwelt

Wie du siehst, spricht wenig gegen ein Vollbad in der Wanne und sehr vieles dafür. Dennoch leben wir in einer Zeit, in der vieles, was wir uns Gutes tun, woanders seinen Preis fordert. In erster Linie zahlt diesen unsere Umwelt, die mittlerweile leider nicht mehr in dem Gleichgewicht ist, wie sie es – und dementsprechend wir – eigentlich sein müsste(n). Deshalb wollen wir dir zum Abschluss auch noch die Frage beantworten, was ein Vollbad für Kosten verursacht bzw. welchen Wasserverbrauch.

1,30 Euro pro Füllung: Entspannungsbad und Natur

In eine volle Badewanne passen ungefähr 140 Liter Wasser. Dieses Wasser muss zuvor gewonnen, bereitgestellt, erhitzt werden und später wiederaufbereitet werden. Du kannst dir also allein dadurch ausmalen, wieviel Energie darauf verwendet werden muss bzw. welche Kosten vor allem für die Natur dadurch entstehen. Etwa durch den Ausstoß von CO2, der durch die Energiegewinnung mit fossilen Brennstoffen entsteht. 12 bis 35 Prozent unseres täglichen Energiebedarfs entfallen mittlerweile auf Warmwasser, auch wenn das bei nur einem Vollbad, das ungefähr 1,30 Euro kostet (Frischwasserpreis, Energiebedarf, Schmutzwassergebühr), auf den ersten Blick nicht sonderlich ins Gewicht zu fallen scheint. Aber es summiert sich – und zwar auch an Stellen, die außerhalb unseres Haushaltsbudgets liegen. Überlege also, ob ein Vollbad im Monat nicht vielleicht ausreicht, um dein Wohlbefinden mit dem unserer Natur in Einklang zu bringen.