Upcycling – alt, aber noch gut!

Tasche aus alter Jeans
Upcycling in der Mode ist zwar nicht neu, avanciert aber gerade zum neue Trend © istock/marugod83

The next big thing: Circularity – Upcycling in der Fashion Industrie

Wir von CARLMARIE hatten in einem anderen Text schon einmal über einen Nachhaltigkeits-Trend in der Bekleidungsbranche – Slow Fashion berichtet. Der aktuellste Teil dieses Konzeptes heißt „Circularity“ und kann auch als eine Art Upcycling der Fashion-Industrie bezeichnet werden. Dieser Trend ist gerade in aller Munde und vor allem auf den Modenschauen der jungen Designer nicht mehr zu übersehen. Nichts geht mehr ohne „Circularity“ – und dafür war es auch höchste Zeit.

Textilproduktion hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt

Denn in den vergangenen 20 Jahren hat sich das Produktionsvolumen der Modeindustrie verdoppelt. Gleichzeitig ist die Nutzungsdauer von einzelnen Bekleidungsartikeln erheblich zurückgegangen. Auch diese Verschwendung wird von eindrucksvollen Zahlen belegt: So wird die Hälfte aller auf der Welt gekauften Kleidungsstücke innerhalb des ersten Jahres entsorgt. Schätzungen zufolge wird deshalb jede Sekunde auf der Welt ein Müllwagen voller Kleidung verbrannt oder deponiert. Gerade mal ein mickriges Prozent aller Textilien wird recycelt. Es ist klar, dass sich das schnell ändern muss und viel, viel mehr Textilien ins System zurück und wiederverwertet werden müssen.

Erste Marken verpflichten sich dem System „Circularity“

 

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Mittlerweile haben die ersten namhaften Bekleidungsunternehmen „Circularity“ für sich entdeckt. Das deutsche Outdoor-Label Pyua entwickelt ausschließlich hochwertige Funktionsbekleidung aus bereits recycelten bzw. recyclingfähigen Polyestermaterialien, die es zu 100 Prozent in einem geschlossenen Kreislauf verwerten kann. Einen ähnlichen Ansatz in Bezug auf Jeansstoff verfolgt MUD Jeans. Dank zweier Investoren gelingt es der holländischen Jeansmarke, die aktuell bereits 40 Prozent recycelte Baumwolle verwendet, vollständig neue Jeans aus 100 Prozent alten Jeans zu produzieren. Schon jetzt können in dem Unternehmen Jeans „geleast“ werden. Das heißt, sie werden auch wieder in Zahlung genommen, wenn die Besitzer das alte gegen ein neueres Modell eintauschen möchte. Auch in Indien hat sich dieses Modell schon durchgesetzt. So kann man bei dem hippen Modelabel OM+OM Khadi in Goa nach zwei Jahren ein gekauftes Produkt zurückzubringen, um es von den Designern neu bedrucken, neu zu färben und neu umschneidern zu lassen. Die weltbekannte Schuhmarke „Meindl“ bietet seinen Kunden bereits seit langem an, sich auf die kostspieligen Wanderschuhe für einen geringen Preis komplett neue Sohlen ziehen zu lassen.

Ab 2020 gilt das Circular Fashion Commitment der Global Fashion Agenda (GFA)

Bereits im Januar des vergangenen Jahres verkündete die einflussreiche Global Fashion Agenda (GFA) eine besondere Übereinkunft der mächtigsten Modemarken der Welt. Es sollen gemäß dem „Circular Fashion Commitment“ ganz konkrete Schritte unternommen werden, um die weltweite Fashion Industrie in Richtung einer zirkulären Modebranche zu entwickeln. Unter den 64 Unterzeichnern der Verpflichtung befinden sich mit Zara, Asos, H & M, Adidas und Kering (der Muttergesellschaft von Gucci, Saint Laurent und Balenciaga) sowohl Fast-Fashion-Unternehmen als auch Luxusdesigner. Dabei hat jedes Unternehmen sich für jeweils andere Sonderziele (insgesamt 143) verpflichtet. So wird Adidas zahlreiche Sammelstellen für gebrauchte Kleidung einrichten. ASOS wird seine Designer auf die zirkuläre Modephilosophie umstellen und auf nicht recycelbare Materialien verzichten. Und H & M wird Forschungen zum Textilrecycling finanzieren.

Was zur Hölle ist Circular Fashion?

Circular Fashion war ein Begriff, der 2014 erstmals von zwei voneinander unabhängigen Personen öffentlich verwendet wurde. Einer davon war Felix Ockborn, der damalige Umweltkoordinator für H & M in Stockholm. Die andere war Anna Brismar, eine der weltweit führenden Nachhaltigkeitsberaterinnen in der Textilindustrie und Inhaberin von Circularfashion.com. Circular Fashion sieht eine neue Zukunft für die Branche, in der Kleidung und Accessoires so gestaltet sind, dass sie ohne Mikrofasern und andere schädliche Rohstoffe hergestellt werden. Es wird Wert auf Qualität und Langlebigkeit jedes Kleidungsstücks und ein besonderes Augenmerk auf das Recycling sowie ein biologisch abbaubares Endprodukt gelegt. Somit kann der Lebenszyklus eines Modeartikels in die folgenden Elemente unterteilt werden:

 

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Design:

Kleidung und Accessoires werden nur noch für eine umweltfreundliche Produktion mit hochwertigen und langlebigen Materialien entworfen, um die Lebensdauer der Garderobe zu verlängern. Ein eher zeitloser Stil soll neue Kunden ansprechen, aber auch dafür sorgen, dass die Kleidung nach 20 Jahren nicht richtig out ist. Das Design wird auch die Recyclingfähigkeit und die biologische Abbaubarkeit in den Unterkomponenten der einzelnen Kleidungsstücke oder Accessoires berücksichtigen, so dass sie später wiederverwendet oder kompostiert werden können.

Produktion:

Neben hochwertigen, langlebigen und kompostierbaren Materialien sollen vor allem bei den Produktionsmethoden erneuerbare Energien verwendet und die Abfallerzeugung minimiert werden. Alternativ werden Kleidung und Accessoires aus ungiftigen, synthetischen Materialien hergestellt, die effektiv recycelt werden können, z. B. recycelbarem Polyester.

Verwendung:

Circular Fashion wird durch Ausleihen, Mieten, Neugestalten und Second-Hand-Services mehrere Benutzer haben, wodurch die Lebensdauer von Modeartikeln erheblich verlängert wird.

Wiederverwendung:

Am Ende des Produktlebenszyklus (wenn es ein Ende gibt) werden die Materialien und Unterkomponenten als Rohstoffe für die Herstellung neuer Produkte verwendet oder kompostiert, um biologische Nährstoffe für Mikroorganismen im Boden zu erhalten.

Wie kann man ein „zirkulärer Modekonsument“ werden?

Die Grundregeln der „Circularity“ können auch Fashion Victims und intensive Konsumenten von Mode einhalten. Als Circularity-Consumer musst du allerdings bei jedem Kauf über das Ausleihen, Tauschen, Mieten oder Kaufen von Vintage-Artikeln nachdenken. Wer neue Kleidungsstücke kauft, sollte sich für zeitlose Mode entscheiden, die nicht nur für einen selbst, sondern möglicherweise auch noch für Nachnutzer attraktiv ist. Kleidung muss aus organischen, ungiftigen und recycelbaren Materialien bestehen. Es sollten nachhaltige Wasch- und Reparaturpraktiken angewendet werden. Nach dem Ablegen sollten die Textilstücke an Freunde und Familie weitergegeben werden oder an ein Recycling-Zentrum. Wer Ideen braucht, wie Kleidung und Accessoires ganz oder in Teilen zu anderen Bekleidungsstücken umfunktioniert werden können, sollte sich vielleicht auch unseren Text zum Thema „Steam Punk“ zu Gemüte führen.

Auf der nächsten Seite erklären wir, was Reparatur-Cafés sind und stellen Euch 12 geniale Upcycling-Ideen vor.