Kleidung aus Bambus – die Pros und Kontras

Nahaufnahme von Bambusstängeln
© istock/choness
Es kam in den vergangenen Jahren schleichend, aber mittlerweile liegt man nicht mehr falsch, wenn man von einem regelrechten Bambus-Boom in der Textilindustrie spricht. Denn die Branche steht seit einiger Zeit in der Kritik, einer der größten Umweltverschmutzer zu sein. Die Vorwürfe sind dabei zahlreich: der alte Rohstoff Baumwolle verschwende zu viel Wasserressourcen, Synthetikfasern seien für tonnenweise Microplastik in den Ozeanen verantwortlich und durch die Produktion von Viskose würden in China und Indien ganze Landstriche chemisch kontaminiert. Darüber hinaus würden viel zu viele Kleidungsstücke jährlich produziert, was auch für unüberschaubare Mengen an Textilmüll sorgen würde.

Immer lauter wird deshalb der Ruf nach Recycling, nachhaltigen Produktionsmethoden und umweltschonendem Anbau von Grundstoffen wie Baumwolle oder Holz. Und Bambus spielt in den Überlegungen vieler Umwelt-Aktivisten in der Bekleidungsindustrie eine entscheidende Rolle. Im zweiten Teil unserer kleinen Serie über BAMBUS wollen wir uns deshalb ansehen, was diese Faser so attraktiv macht und welche Eigenschaften sie möglicherweise über andere Garne erhebt. Allgemeine Eingenschaften, sowie Pros und Kontras zur Verwendung von Bambus haben wir im ersten Teil vorgestellt.

Bambus hat sowohl in der Modebranche als auch bei den alltäglichen Textilien wie Bettwäsche, Handtüchern oder Bademänteln in der jüngeren Vergangenheit große Aufmerksamkeit erregt. Auch wir bei CARLMARIE haben mittlerweile zum Beispiel BAMBOO-Socken der Marke Elbeo im Angebot. Dabei sind auch wir davon überzeugt, dass es sich hier um die perfekte Wohlfühlfaser handelt, die nicht nur wunderbar weich und besonders farbstabil ist, sondern außergewöhnlich temperaturausgleichend – kühlend im Sommer und wärmend im Winter – wirkt.

Das Augenmerk bei Bambus liegt auf der potenziellen Umweltfreundlichkeit in Kombination mit der luxuriös weichen Textur, dem schönen Fall und vielen anderen positiven Eigenschaften. Doch was genau ist wirklich so toll an Bambus und halten die Textilien aus dem Material wirklich, was sie in zahllosen Werbetexten versprechen? Fakt ist: Während Bambus in den asiatischen Ländern bereits seit vielen Jahrhunderten eingesetzt wird, hat die westliche Welt das Gewächs mit seinen außergewöhnlichen Eigenschaften erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt.

Ökologische Vorteile von Bambus

Wie oben schon beschrieben, hat Bambus ein paar immense Vorteile gegenüber anderen Grundfasern von Textilien wie zum Beispiel Holz (Viskose) oder Baumwolle. Zunächst gibt es über 1.500 verschiedene Bambusarten. Diese Vielfalt macht ihn anpassungsfähiger an unterschiedliche Klimazonen als die meisten anderen Hölzer. Darüber hinaus kann er auf über 70 Prozent der Landfläche der Erde wachsen. Bambus ist extrem robust und aufgrund seiner immensen Wachstumsgeschwindigkeit eine der sich am schnellsten erneuernden Ressourcen der Erde. Bambus ist außerdem in vielen ländlichen Gebieten, in denen die wirtschaftliche Entwicklung begrenzt ist, reichlich vorhanden und kann daher auch einen sozialen Nutzen bringen. Durch die Erforschung und Entwicklung weiterer Möglichkeiten zur Nutzung von Bambus erhalten ländliche Gebiete die Möglichkeit, ihre Kultur und ihren Lebensstil zu bewahren und gleichzeitig ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Vielseitig einsetzbar

Die Vielseitigkeit von Bambus zeigt sich in seiner Verwendung für Nahrung (Bambussprossen), Wohnen (Gerüstbau und Baukonstruktionsmaterial) sowie eben dem Einsatz als Viskosefaser bei Textilien und stark beanspruchten Gegenständen wie Schutzhelmen, Skateboards oder Schienbeinschützern beim Fußball. Bambus ist auch Lebensmittel für die vom Aussterben bedrohten Riesen-Pandas, für gewebte Handwerksprodukte wie Körbe und Matten, für Zäune, Dächer, Fußböden und für zahlreiche Zutaten der chinesischen Medizin.

Bambus für Kleidung – was sind die positiven Eigenschaften?

 

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Bambus ist ein wunderbares Kleidungsmaterial. Aufgrund seiner Hohlfaser hat es ungewöhnliche Atmungsfähigkeiten. Die Faser ist mit Mikrolücken und Mikrolöchern gefüllt, die eine deutlich bessere Feuchtigkeitsaufnahme und Belüftung ermöglichen als andere Fasern.

Komfort:

Kenner von Bambus-Textilien bescheinigen der Faser den „Glanz von Seide“ und die „Weichheit von Kaschmir“. Fakt ist: Bambusbekleidung ist bequem, sehr atmungsaktiv, feuchtigkeitsableitend, schnell trocknend und wärmeregulierend. Bambusgewebe ist darüber hinaus antistatisch und von seinen Eigenschaften eher vergleichbar mit Wolle als Synthetikfasern wie Nylon oder Polyester.

Antibakteriell:

Bambus ist auf natürliche Weise antibakteriell, da es einen Bio-Wirkstoff enthält, den die Japaner „Kun“ genannt haben und der das Wachstum von Bakterien auf der Oberfläche der Faser verhindert. Bambus produziert diesen Wirkstoff auch noch nach zahlreichen auch chemischen Verarbeitungsschritten, so dass auch Textilien aus Bambus von Bakterien gemieden werden und so auch das Entstehen von üblen Gerüchen verhindert wird. Dadurch entfällt bei Bambus-Textilien die Notwendigkeit einer antimikrobiellen chemischen Behandlung, die bekanntermaßen allergische Reaktionen hervorrufen kann und umweltschädlich ist. Dies bedeutet aber auch, dass das Kleidungsstück weniger oft gewaschen werden muss, wodurch Energie gespart und die Lebensdauer der Kleidung verlängert wird.

Wärmeregulierung:

Wäre es nicht schön, einen Stoff zu haben, mit dem Sie sich bei heißem Wetter kühler und bei kaltem Wetter wärmer fühlen? Klingt wie ein Paradoxon, oder? Aber es ist genau das, was Bambus kann. Bambusfasern nehmen sehr viel mehr Feuchtigkeit auf und trocknen schneller als Baumwolle. Bei warmem, feuchtem Wetter klebt Bambusbekleidung nicht auf der Haut. Es hält den Körper trockener und bei zu großer Hitze auch kühler.

Hypoallergen:

Bambus ist von Natur aus hypoallergen, was bedeutet, dass es bei empfindlichen Personen seltener zu allergischen Reaktionen kommt.

Knitterbeständig:

Bambusbekleidung ist von Natur aus knitterbeständiger als Baumwolle. Nach dem Waschen muss sie möglicherweise noch gebügelt werden. Bambusgewebe kann jedoch bei einer deutlich niedrigeren Temperatur als Baumwolle gebügelt werden und fällt bei feinerer Verarbeitung fast so schön wie Lycra oder Seide. Das Schrumpfen beim Waschen und Trocknen ist bei niedrigen Temperaturen minimal. Eine Technik, um die wenigen durch das Schleudern der Waschmaschine verursachten Falten zu beseitigen, besteht darin, die Wäsche nur zwei bis fünf Minuten lang in einen Trockner zu legen. Dann – und das ist der Schlüssel – sollte die Bambus-Wäsche auf einer ganz normalen Wäscheleine an der frischen Luft fertig getrocknet werden.

Farbecht:

Bambus erhält organische und natürliche Farbstoffe schneller und gründlicher mit weniger Farbverbrauch als Baumwolle, Modal oder Viskose (Rayon). Die Farbe auf Bambusfasern bleibt auch nach mehrmaligem Gebrauch oder Waschen viel lebendiger und muss nicht wie bei Baumwolle nachbearbeitet werden.

Pflegeleicht und energieeffizient:

Bambus ist in kaltem Wasser (maximal 40 Grad) ohne Probleme maschinenwaschbar. Umweltschädliche und gesundheitsschädliche Weichspüler werden nicht benötigt oder empfohlen.

Bambus ist also als Material leicht anzubauen, dabei überaus robust und schnell erneuerbar. Es schont Wasserressourcen, filtert deutlich mehr CO2 aus der Luft als normale Bäume und ist auch ansonsten überaus anspruchslos. Darüber hinaus weist er als Textilfaser ungewöhnlich positive Eigenschaften auf, ist billig und sehr widerstandsfähig. Und dennoch wollen nicht alle in die Lobeshymnen über Bambus als Öko-Wundermaterial einstimmen. In der Kritik steht dabei vor allem der Verarbeitungsprozess vom Bambusstamm bis zum Garn, welcher in Wirklichkeit ein Viskose-Verarbeitungsprozess ist, bei dem man auf den Einsatz aggressiver Chemikalien kaum verzichten kann.

 

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Der Weg zur Bambus-Viskose

Die Fasern, aus denen Bambus-Textilien bestehen, gelten als halbsynthetische Fasern, was bedeutet, dass es sich um künstlich hergestellte Fasern handelt. Zwei Möglichkeiten, Bambus zu einem Textil zu verarbeiten, gibt es: mechanisch oder chemisch. Der mechanische Prozess umfasst das Zerkleinern des holzigen Teils der Pflanze und das anschließende Aufbringen natürlicher Enzyme, um die Bambuszellwände zu brechen und eine klebrige Masse zu erzeugen. Die Naturfasern können dann mechanisch gekämmt und zu Garn versponnen werden. Der resultierende Stoff fühlt sich ähnlich an wie Leinen. Auf diese Weise wird sehr wenig Bambusmaterial hergestellt, da es arbeitsintensiv und teuer ist.

Das meiste Bambusgewebe wird durch ein chemisches Verfahren hergestellt, das der Herstellung von Rayon aus Holz oder Baumwolle sehr ähnlich ist. Während es eine Reihe von Möglichkeiten gibt, Rayon chemisch zu erzeugen, ist das Viskose-Verfahren das gebräuchlichste.

Bei diesem Vorgang werden Bambusblätter und -triebe im Wesentlichen in starken chemischen Lösungsmitteln wie Natriumhydroxid und Schwefelkohlenstoff gekocht. Danach wird die entstehende Flüssigkeit durch winzige Düsen direkt in ein chemisches Schwefelsäurebad gedrückt, wo sie zu feinen Strängen aushärtet. Nach dem Waschen und Bleichen bilden diese Fäden Viskose-Garn, welches im Anschluss zu verschiedenen Kleidungsstücken weiterverarbeitet werden kann.